Doris Schwickert weblog

Sonntag, 29.3.2020

O s t e r n

 

“Gusti, Gusti, aufwachen!”, tönte es aus der Luft, es war Henrietta von Mistelzweig. Gusti wälzte sich im Gras in der Mittagssonne. „Was gibt’s denn, das du so rumbrüllst?“, rief er zurück. Jetzt landete Henrietta vor Gustis Nase. „Weißt du überhaupt, was übermorgen für ein Tag ist“, fragte sie spitz? „Du sagst es mir ja eh gleich, also mach hin!“, antwortete Gusti gelangweilt. „Tja, wir haben dann Ostern, und weißt du wer die Ostereier bringen muss?“, grinste sie, „Tja, der Osterhase!“ Jetzt setzte sich Gusti auf. „Willst du mir etwa damit sagen, dass ich sie übermorgen hier in der Heide verstecken soll?“ „Bingo“, rief Henrietta, die Tiere des Waldes haben festgestellt, dass du noch nie Ostereier gebracht hast und nun wollen sie, dass du übermorgen endlich deiner Pflicht nachkommst.“ Rums, das hatte gesessen! Gusti sah Henrietta ganz verdattert an: „Wo soll ich sie denn hernehmen“, fragte er ganz zögerlich?

„Na da, wo die andern Osterhasen sie auch hernehmen, ganz einfach“, betonte Henrietta, „ich muss jetzt leider weg, habe noch einen Termin. Also dann bis übermorgen!“, und schon war sie wieder weg.

Jetzt hatte Gusti aber ein Problem. Willisau! Der wüsste bestimmt Rat. So machte er sich auf die Socken, um mit Willisau zu sprechen. Der lag am Wassergraben und döste vor sich hin.

„Tag, Willisau, die Tiere wollen, dass ich übermorgen Ostereier besorgen soll. Hast du eine Idee, wo ich sie hernehmen soll“, sprach Gusti.“ „Lass mich nachdenken“, gähnte er, „ich hab’s gleich.“ Dann sprang er auf und flüsterte Gusti was ins Ohr. „Mensch Willisau, alte Trüffelkeule, die Idee ist rattenscharf!“ Gusti fletschte die Vorderzähne und kicherte wie eine Geis. Er verabschiedete sich und machte sich auf den Weg in die Stadt Dresden.

Endlich war er am Marktplatz angekommen. Was hatte er für ein Glück! Da stand ein Bauer mit seinem Lieferwagen und war am ausladen. Auf dem Hänger befand sich ein großer Korb mit bunt verpackten Schokoladeneiern. Schokoladeneier? Naja, die aß Gusti auch viel lieber. „Hey, Bauer, wie viel bekommst du für ein Ei?“ Der Bauer sah Gusti erstaunt an und sprach: „Ich bekomme 50 Cent dafür.“ Gusti warf sich in die Brust: „Ich weiß, wo du das doppelte dafür bekommst.“ Der Bauer grinste: „Willst mir wohl einen Hasen Aufbinden, was? Keiner zahlt das Doppelte!“ „Doch“, sagte Gusti, „in der Dresdner Heide hat ein Händler ein Lager, der macht es. Ist sozusagen spezialisiert auf Ostereier. Wenn du mich mitnimmst, zeige ich dir den Weg.“ Der Bauer überlegte: „Geld kann ich immer gut gebrauchen, warum nicht? Also gut, steig auf den Hänger und pass auf die Eier auf.“ Gusti hatte es geschafft. So fuhren sie los. Doch plötzlich schoss es Gusti durch den Kopf: „Jetzt habe ich zwar die Eier, aber Willisau hat nicht gesagt, wie ich mit dem Korb unbemerkt wieder runterkomme, da muss ich jetzt mal mein Stummelschwänzchen befragen.“ Na, hatte es die Lösung? Wir werden sehen.

 

„Hey Bauer“, rief Gusti von hinten, „fahre nun langsam, sonst zerbricht die Schokolade.“ Der Bauer tat, was ihm gesagt wurde. Gusti warf nun ein Ei nach dem andern vorsichtig ins Gras. Gusti wusste, eigentlich darf man nicht stehlen, aber er nahm sich fest vor, das bestimmt wieder gut zu machen. Als der Korb leer war, sprang er mit dem Korb vom Hänger und verschanzte sich in den Büschen.

Doch der Bauer fuhr unbemerkt weiter, bis er nicht mehr zu sehen war. Nun kam Gusti aus seinem Versteck und sammelte die Eier wieder ein. In der Heide angekommen, versteckte er die Eier in seinem Astloch und deckte Gras darüber.

Der Kalender zeigte Ostersonntag an. Die Tiere hatten sich schon früh auf die Beine gemacht, um Gusti zu besuchen. Gusti hatte sich was ausgedacht, um zu testen, ob es auch wirklich gute Freunde waren. Er begrüßte die Tiere und tat so, als finge er an zu weinen. Dann schluchzte er: „Tut mir so leid, aber ich muss euch enttäuschen, habe keine Eier. Jetzt werdet ihr mich nicht mehr mögen und mich aus der Heide vertreiben.“ Gusti war wirklich ein guter Schauspieler! Die Tiere sahen Gusti ganz erschrocken an und riefen: „Aber Gusti, wir sind doch deine Freunde. Es ist doch nicht schlimm, wenn du keine Eier hast. Das du es versucht hast, ist ehrenwert. Warum sollten wir dich vertreiben, wir brauchen dich doch!“

Gusti hielt inne, dann strahlte er übers ganze Gesicht: „Hey Leute, ihr seid einfach spitze!“

Und deshalb habe ich auch eine klitzekleine Überraschung. Ihr müsst nur ein bisschen suchen!“ Das ließen sich die Tiere nicht zweimal sagen. Bald hatten sie das Astloch mit den Ostereiern gefunden. Diese Überraschung war gelungen. „Gusti, du bist der Größte“, riefen sie. Henrietta hatte eine Idee und sagte: „Lass uns eine Eierparty machen.“ „Ja“, riefen die Tiere, „aber was ist denn eine Eierparty?“ „Ganz einfach“, erklärte Henrietta, „erst werfen wir uns die Eier gegenseitig zu, dann machen wir Eierdrehen und zum Schluss verspeisen wir sie.“

Das kam gut. Im Nu herrschte ein wildes Gewirre in der Heide. Gusti sang immer wieder: „Hier in der Heide ist was los, hier tanzt der Bär ganz hemmungslos.“ Alle Tiere stimmten mit ein. 

Gerade war das Eieressen vorbei, hörte man von Weitem eine Stimme rufen: Wo bist du elender Hasenfuzzi!“ Es war der Bauer und einen Knüppel hatte er auch dabei. Gusti konnte im letzten Augenblick hinter den Büschen verschwinden. Nun stand der Bauer vor den Tieren: „Wo ist der elende Hasenfuzzi? Er hat mich reingelegt und meine Eier geklaut.“

Henrietta trat hervor und sprach: „Wir verraten unsere Freunde nicht, nie im Leben!“

Ein anderer Hase stellte sich vor den Bauern und sagte: „Nimm mich stattdessen, im bin auch ein guter Hasenbraten.“ Dann sagte Willisau: „Nimm mich, gebe auch einen guten Saubraten ab.“ Und so stellte sich einer nach dem anderen vor den Bauern. Gusti war so gerührt, dass er anfing zu weinen. Doch dann wurde er wütend. Das konnte er nicht zulassen, dass sich die anderen für ihn opfern wollten! Nein, er war kein Feigling, jetzt würde er es beweisen.

Er sprang aus den Büschen und sagte zum Bauern: „Nimm mich doch, ein wirklich fairer Kamp, einer mit und einer ohne Knüppel!“ Es war totenstill, die Tiere hielten den Atem an.

Plötzlich kam die Rettung: „Wildern in der Heide ist verboten!“ Es war der Förster. Schnell liefen sie alle weg. Der verdutzte Bauer ließ den Knüppel fallen. „Das gibt eine dicke Geldstrafe, fuhr der Förster fort, dann notierte er sich die Personalien. Als die beiden die Heide verlassen hatten, atmeten die Tiere auf: „Was für ein Ostersonntag, nie wieder Ostereier!“

 

 

                                 

 

einen Monat zurück  März 2020  einen Monat weiter
Mo Di Mi Do Fr Sa So KW
      109
234567810
910111213141511
1617181920212212
2324252627282913
3031          14
Zum aktuellen Datum wechseln